Happy b-day, IVI!


Acht Jahre selbst betreutes Wohnen. Alles Gute!

NERDALERT!


Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen^^

Zur Lektüre empfohlen: „AUS.SCHLUSS! Barrierefrei veranstalten“ (ak-moB)

Der seit 2007 in Berlin tätige „Arbeitskreis mit ohne Behinderung“ [ak-moB] ist ein Zusammenschluss behinderter und nicht behinderter Menschen, der sich in etwa als eine Art Referat für Behindertenpolitik der linken Szene begreift und ideologisch an die autonome Krüppelbewegung anschliesst.

Linke Behindertenpolitik heißt für den ak moB, die Bedürfnisse Behinderter mit einer Kritik an Kapitalismus, Rassismus und an heteronormativen Geschlechterverhältnissen zu verbinden. Die Gruppe nahm an den letzten beiden Mayday-Paraden mit eigenen Redebeiträgen teil, organisierte eine Diskussionsveranstaltung zu Behinderung im Nationalsozialismus und erstellt aktuell einen Leitfaden zur Barrierefreiheit für linke Gruppen. Damit soll die Aufmerksamkeit der linken Szene für barrierefreie Einrichtungen erhöht und Möglichkeiten bekannt gemacht werden, wie notwendige Gelder akquiriert werden können. Gerade in den politischen Zusammenhängen, in denen der ak moB sich selbst verortet, möchte er den Zugang zu Räumlichkeiten nicht erschwert bekommen. […]
Im Vordergrund der politischen Arbeit steht allerdings die Forderung nach der Selbstorganisation Behinderter gegen die Bevormundung durch Nichtbehinderte.
Link

Anfang diesen Monats hat der ak-moB mit der Broschüre „AUS.SCHLUSS! Barrierefrei veranstalten“ einen praxisorientierten Leitfaden zur Schaffung von Barrierefreiheit in linken Zusammenhängen und Projekten publiziert, der ziemlich lesens- und diskutierenswert ist. „Die Idee zur Broschüre entstand aus dem Eindruck, dass Barrieren in der Linken noch nicht in ausreichendem Maße gesehen und beseitigt werden, weil es trotz guten Willens oft an ökonomischen Mitteln, Bewusstsein und vor allem an Know-how fehlt.“ (S. 5). Auch wenn der Text betont kontruktiv formuliert wurde ist es unmissverständlich, dass er eine politische Intervention darstellt, die nicht nur eine Sensibilisierung für Missstände im Bereich der Barrierefreiheit in linken Zusammenhängen zum Ziel hat, sondern auch extreme Angenervtheit von bestimmten Erfahrungen zum Ursprung. Auch in letztere gewährt der Text Einblicke.

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Aus den Chroniken des Lügenbarons Werner Müller-Esterl

Als Präsident der Goethe-Universität, die mit aktuell 41.000 Studierenden auf ein Allzeithoch zusteuert, bin ich in großer Sorge darüber, dass noch nicht alle Studierenden eine angemessene Bleibe in Frankfurt und Umgebung gefunden haben. Der Mangel an Wohnheimplätzen und die im bundesweiten Vergleich mit München höchsten Mieten machen es Studierenden zunehmend schwerer, sich für ein Studium an Frankfurter Hochschulen zu entscheiden.
[…]
Ich appelliere daher an Sie, zu prüfen, ob Sie nicht unbürokratisch und kurzfristig preiswerten zusätzlichen Wohnraum für unsere Studierenden zur Verfügung stellen können. Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt und Region.

Ich hoffe sehr auf Ihre Unterstützung!

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Werner Müller-Esterl

Präsident Goethe-Universität Frankfurt (click)

Unbürokratisch, kurzfristig, preiswert. Wie dann nach einer Vollversammlung auf dem Uni-Campus das seit fünf Jahren vor sich hingammelde Unigebäude in der Schumannstrasse von Studierenden nutzbar gemacht, und wie dieses Projekt bereits wenige Stunden später mit rund 90 Festnahmen und unter diversen Rechtsbrüchen zackig, herrisch, dynamisch – von der Polizei geräumt wurde, kann ausführlich bei overdose nachgelesen werden. Ein Video von der Räumung gibt es hier.

Heinz Steinert ist gestorben

Ohne Heinz Steinerts Arbeiten hätte ich vielleicht nie innerhalb des universitären wir-rezipieren-Adorno-v.a.-über-Marx-und-die-Staatstheorie-Kontext einen für mich schlüssigen Weg zur Kritischen Theorie Th.W. Adornos gefunden. Die von Steinert entwickelte psychoanalytisch geerdete Lesart von kulturindustrieellen Ereignissen und die darauf fussende Aktualisierung der Kulturindustriediagnose ist grandios. Seine Bücher vermitteln mir Lust an der Sozialforschung und beeindrucken durch ein innerhalb der akademischen Adornorezeption eigenständiges und mutiges Interesse daran, die (alte) Kritische Theorie fort zu führen und für Gesellschaftskritik zu nutzen.

Doch geht es mir hier nicht darum, den Versuch eines Nachrufs zu wagen. Werkbezogen fehlt mir dafür die Kompetenz und überdies kannte ich Heinz Steinert auch persönlich kaum, abgesehen davon dass ich ihn in seinen Uni-Seminaren in Frankfurt als einfühlsame und freundliche Persönlichkeit zu schätzen lernte. Dennoch habe ich das Bedürfnis, wenigstens mit ein paar Zeilen Abschied zu nehmen. Ich verdanke Heinz Steinerts Arbeiten unsagbar viel an Erkenntnis und v.a. an intellektuellem Lustgewinn, wofür ich mich nun nie mehr bei ihm bedanken werde können. Sein Tod ist ein schmerzlicher Verlust für mich.



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