Archiv für April 2008

Terminator – The Sarah Connor Chronicles

Ich habe grade die ersten drei Folgen der Terminator-Serie gesehen und werd mal ein paar Gedanken dazu formulieren (Rezension dazu auch hier). Das ganze beginnt wie ein billiger Buffy-Abklatsch in der high-school, wo John Connor sich mit seiner Sitznachbarin anfreundet, die unschuldig dreinblickt wie Bambi ins Zielfernrohr. Klar dass es sofort zwischen den beiden funkt. Das scheue Reh ist jedoch ein Roboter der T800 Serie so wie überhaupt alle Roboter die man zu Gesicht bekommt (zumindest in den ersten drei Folgen) und wird fortan Johns persönliche Beschützerin. Der schicke androgyne T1000 aus flüssigem Metall wurde offenbar weggelassen, um dem special-effect armen low-budget Mief der Serie gerecht zu werden (da lob ich mir doch firefly). Jedenfalls beschützt sie von nun an John gegen die feindlichen bots und wird damit zu so einer Art Familienmitglied. John drückt mit ihr, die er später an einer anderen Schule für seine Schwester ausgibt, gemeinsam die Schulbank; seine Mutter, Sarah-“the mother of all destiny“-Connor führt den Haushalt und organisiert nebenbei den militanten Kampf gegen den wissenschaftlichen Fortschritt von cyberdine-systems.

Sie hat damit nicht länger das primäre Image einer Soldatin, die sich in „judgement day“ gar an einer kaltblütigen Hinrichtung versuchte, auch wenn diese Szene als Erinnerungsspur im plot wieder auftaucht. In gleichem Maße ist Sarah eine alleinerziehende, fürsorgliche Mutter, die aufmerksam auf die Gefühle ihres Sohnes achtet und ihm das Abendessen in den Kühlschrank stellt. Trotzdem hat sie eine eher distanzierte Beziehung zu John. Zum einen sicher weil sie ja lange Jahre in der Psychiatrie und somit von ihm getrennt war, sie leidet aber auch immer noch unter Angstträumen und ist daher viel mit sich selbst beschäftigt. Ausserdem versucht sie sich neu zu verlieben. Zusammen mit der logbuch-artigen Erzählstruktur erinnert das ganze dann eher an Ellen Ripley aus alien 2 – the return.

Jedensfalls lebt der bot jetzt mit in der Familie, die aufgrund ständiger Flucht immer wieder den Wohnort wechseln muß, was bedeutet dass John und Bambi regelmäßig die neuen an der high-school sind. John hat Angst zum Aussenseiter zu werden, weil er die ganze Zeit mit seiner freakigen bodyguardin rumhängt, die sich nur ziemlich uncool auszudrücken weiß, aber immerhin lernfähig ist. Am liebsten würde John ein normales Leben führen und er hält sich auch nicht für den Auserwählten, so wie bereits Thomas A. Anderson in Matrix vor ihm. Doch das wird schon, denn hiervon soll schließlich das Langzeitinteresse an der Serie ausgehen. John ist die primäre Identifikationsfigur, seine intimen Gefühle teilt das geneigte Fernsehpublikum.

Um diesen Komplex wird nun eine ödipale Triade gesponnen, die zusätzliches Kribbeln verursachen soll, allerdings eher wie aus dem Lehrbuch denn originell daher kommt. Johns Wunsch nach einem normalen Leben wird immer wieder von männlichen Robotern mit Galgenvogelvisage gestört, die das traute Familienglück weitestgehend unvermittelt zwar, aber dafür in regelmäßigen Abschnitten heimsuchen. Am Rande ist außerdem Johns leiblicher Vater im Spiel, der mittlerweile neu geheiratet hat und den John in der zweiten Folge verprügelt, weil er ihn fälschlicherweise für einen bot hält. Es ist also alles andere als einfach bei den Connors. Weitere Probleme scheinen sich dadurch anzubahnen, dass Bambi hin und wieder betont zufällig halbnackt vor John herumrobotert und John anfängt ihr Komplimente zu machen. Sarah wird zunehmend eifersüchtig und will dass Bambi sich was anzieht. Zwar kann seit Isaac Asimov eine Liebesbeziehung zwischen Mensch und Roboter niemanden mehr wirklich vom Hocker reißen, aber da ist ja auch noch die geschwisterliche Beziehung der beiden zueinander (Inzest, ick hör dir Trapsen…).

Ein weiterer Handlungsstrang ergibt sich daraus, dass das FBI unentwegt nach den Connors fahndet. Die Familie kämpft also nicht nur gegen die Entstehung der künstlichen Intelligenz skynet und ihre Schergen aus der Zukunft, sondern auch gegen die Bullen, so wie vor ihnen schon das A-Team gegen die Militärpolizei. Allerdings sieht sich das FBI zunehmend im Erklärungsnotstand bzgl. der rätselhaften Vorkommnisse, weswegen einer der FBs auch langsam anfängt an die psychotische Geschichte von Sarah Connor zu glauben, wie vor ihm schon Fox William Mulder an die aliens in Akte-X.

Die als Nebenaspekt im plot auftauchende Psychiatriegeschichte ist immerhin etwas, was das doch recht kreativlos zusammengesteckte Konzept der Serie ein wenig interessanter macht. Es geht um eine Frau, die scheinbar Amok gelaufen ist und das ganze dann mit paranoid anmutenden Geschichten über Ausserirdische und ihren auserwählten Sohn rechtfertigte. Dafür ist sie dann seitens der Bürgerlichen Gesellschaft mit einem Lächeln weggeschlossen worden, doch der Auserwählte verhilft Sarah schließlich zusammen mit einem leibhaftigen T800 zur Flucht. Die Psychose hat also wider aller ärztlichen Begutachtung recht behalten, der von cyberdine-systems verkörperte technologische Fortschritt wurde im Umkehrschluß als Krankheit (oder Krankheit verursachend) entlarvt. Zugegeben: Letzteres hat etwas fortschrittfeindliches. Aber immerhin sagt Sarah im Intro zur zweiten Folge: „I read every book i could, I wanted to understand!“ Und es ist doch nicht der schlechteste Ansatz, wenn sie aufgrund des eigenen Unbehagens, ihrer Psychose, ihren Angstträumen, der kaputten Familie usw., den Kampf gegen die Herrschaft der Maschinen über den Menschen zunächst mit Theoriearbeit beginnt.

Warum die „Freunde der offenen Gesellschaft“ keine Science Fiction mögen

Wenn man sich ernsthaft mit der deutschen NS-Vergangenheit und ihrem Fortwirken im Postanzismus auseinandersetzt, ist eins offensichtlich. Was man in der Berliner Republik auch anfasst, von Schröders „Aufstand der Anständigen“ bis zum Holocaustmahnmal, es zeugt von Gasgeruch. Die Prosperität dieser Republik wurde auf arisierten Vermögen und Produktionsstätten errichtet, die Zwangsarbeiterentschädigung kommt einer Verhöhnung der Opfer gleich. Abschiebung wird in großem Stil betrieben, Deutschland ist der wichtigste westliche Handelspartner des Iran, ausserdem hat es 1999 mit dem Krieg gegen Jugoslawien einen Präzedenzfall bzgl. dem Führen von Angriffskriegen wider der eigenen Verfassung geschaffen. Die Fortexistenz der deutschen Nation nach Auschwitz ist schlicht unvernünftig! Wer sich vor diesem Hintergrund vom Denken in Widersprüchen verabschiedet und stattdessen sein Vertrauen in die Hände eines Staates legt, insbesondere einem mit dieser verbrecherischen Geschichte, kann nicht ernst genommen werden. Die offensichtliche Unvernunft einer solchen Entscheidung zeugt davon, dass sich zuerst vom Denken in Widersprüchen verabschiedet und sich daraufhin erst folgerichtig dem Spätbürgertum an den Hals geworfen wurde. Die „Freunde der offenen Gesellschaft“ scheinen sich im Kapitalismus so wohl zu fühlen, dass sie ihre eigenen Träume, ihre verborgenen Wünsche und Begehren, zu Gunsten der langweiligen Wiederkehr des Immergleichen endgültig begraben haben. Nonchalant und unverblümt bringen sie dies in ihrem Gründungspamphlet auf den Punkt:

„Das Licht der Utopie verlosch. Die revolutionäre Hoffnung starb. […] Wir bekennen uns zur modernen Gesellschaft, die nun einmal keine kommunistische ist. Es gab bisher keinen Kommunismus, der nicht antiliberal, antiwestlich und antisemitisch war. Wir wissen nicht, was zu der Hoffnung berechtigt, es könnte dereinst einen solchen geben.“

Ja was berechtigt denn zum Festhalten an dieser Hoffnung, trotz allem gebotenen Kulturpessimismus? Das Eingeständnis eines wie auch immer gearteten Triebschicksals doch wohl, das man in dieser Gesellschaft nicht leben kann! Die fdogs stehen damit exemplarisch für eine seit längerem zu beobachtende Tendenz, die sich in der antifaschistisch-antideutsch-kommunistischen oder wie auch immer Szene abzeichnet: Der zunehmende Ekel davor, das Wort Kommunismus auch nur in den Mund zu nehmen. Es ist dies m.E. Zeugnis einer Privilegiertheit die es erlaubt, das eigene Leiden zu Gunsten von Selbstobjektivierung zu verdrängen. Doch ist das Bedürfnis, Leiden beredt werden zu lassen, noch immer Bedingung aller Kritik, wie ich im folgenden zeigen werde.

In besagtem Pamphlet wird sich über das „Bilderverbot“ mokiert, die fdogs fühlen sich in ihrer „Suche nach Wahrheit“ von der „political correctness“ unterdrückt, haben daher ihre „Utopien“ aufgegeben (zur Adorno-Kritik der fdogs mittels Utopie-Begriff siehe auch hier). Damit taten sie zwar in gewissem Sinne das richtige, aber auf die falsche Weise – doch eins nach dem anderen. Zunächst sei ihnen die hiermit praktizierte Selbstverdummung zugestanden, doch bekanntlich führt von der Unreflektiertheit ein direkter Weg in die Affekthandlung. Jener Antikommunismus, der das selbstauferlegte Verbot zu träumen unter dem Deckmantel eines liberalen Humanismus auch allen anderen vorschreiben will, steht der Barbarei näher als der Aufklärung. Es ist ein zutiefst deutsches Denken, dass sich Veränderung nicht anders als durch etwas außerhalb von einem Selbst liegendes, als die Suche nach dem heiligen Gral, nach der richtigen Partei, denken kann. Ein selbstbezüglicher Idealismus, der das Festhalten an jenen nach Individuation schreienden Idealen der Aufklärung, nur in der vom utopischen Frühsozialismus vorgegebenen Form begreifen kann. Zurecht ist die Idee der Utopie (griech.: „u-topos“, Nicht-Ort) als falsche Kritik und ausserdem als eine längst anachronistisch gewordene falsche, von der alten Kritischen Theorie mittels „Bilderverbot“ verworfen worden. Stattdessen wurde Auschwitz in der kommunistischen Kritik als Kulturbruch anerkannt, was die Theorie notwendig aufs Subjekt abdrängte. Gute Utopien sind damit genau genommen keine mehr, was aber nicht heißt das Träumen gleich ganz zu lassen. Es geht stattdessen um eine Form von Science Fiction die sich der Aufgabe stellt,

„die unbehaglichen Freuden des Lebens in diesem trügerischen Paradies zu dokumentieren. […] Die Fiktion ist bereits vorhanden. Aufgabe des Schriftstellers ist es, die Realität zu erfinden. […] Versorgt uns die moderne Technologie mit Mitteln und Möglichkeiten, unsere Psychopathologien auszuleben, von denen wir bisher nicht zu träumen wagten? Liegt in dieser Nutzbarmachung unserer brachliegenden Perversion ein Nutzen für uns? Liegt ihr eine trotzige Logik zugrunde, die mächtiger als jede Vernunft ist?“ (Ballard 2004, zweiter gebloggter Lanzenbruch für diesen Autor.)

Wir fassen zusammen: In der selbstgefälligen Ausbreitung des eigenen theoretischen Werdegangs (Gründungspamphlet) behaupten die fdogs zwar, die Wendung aufs Subjekt einst mitvollzogen zu haben. Doch blieb diese Wendung ihnen offenbar immer schon äusserlich. Sonst hätten sie nämlich die Wendung vom auf das Proletariat als revolutionäre Klasse fixierten frühsozialistischen Utopismus zu einer lustorientierten, bewussten Faszination für die eigene Perversion als politicum vollzogen. Dass diese falsch verstandene Form kommunistischer Kritik irgendwann langweilig werden mußte, ist nur nachvollziehbar. Das Projekt der fdogs, das Träumen aufgrund eines Gebots des Humanismus an den Nagel zu hängen ist nicht bloß ein Armutszeugnis in punkto Fantasielosigkeit, es ist der in die Jahre gekommene Mantel, unter dem der Bürger den Dolch verbirgt!

1. Mai Berlin – regressiver Antikapitalismus und unverstandene Science Fiction

3.14min dauert die Inszenierung eines seit einiger Zeit durch youtube geisternden Mobilisierungsvideos für den „revolutionären 1. Mai“ in Berlin. Dieses dem „Bonzenautos niederbrennen für die Köpi“-Umfeld zuzuordnende Zeugnis selbstbezüglicher Realitätsferne fällt zunächst durch schlechten Musik-Geschmack auf. Ein für kleinbürgerliche Sylvesterparties ausgelegtes remix von „survivors“ abgeschmacktem Klassiker „eye of the tiger“ soll die nötige Spannung aufbauen, um ein an die Wand projiziertes Bedrohungsszenario zielgruppengerecht affektiv zugänglich zu machen. Ein Szenario, dass wieder aller sachlichen Einsicht die alte Münteferingsche Leier einer drohenden Heimsuchung von aus dem off in die Hauptstadt einfallenden Heuschrecken (gemeint sind US-Investoren) imaginiert. Als Gegenkonzept zu dieser gefühlten Bedrohung ergeht man sich in kreativlosem Militanzgeprolle. Die Geschmacklosigkeit jenes einfältigen Machwerks entbehrt dabei nicht einer gewissermaßen situationstragischen Note.

Was ich meine sind jene dem sci-fi-Film „starship troopers“ (Paul Verhoeven) entlehnten samples in dem Mobilisierungsvideo, die die Vernichtungsdrohung gegen die „Heuschrecken-Investoren“ entsprechend veranschaulichen sollen. Es sind Kriegsszenen, die von einem Kampf um Leben und Tod erzählen; einem Existenzkampf zwischen der Menschheit und einer bestialischen Form extraterrestrischen Lebens, die – der Zufall will es – als insektenartige Wesen Heuschrecken nicht unähnlich sind. In Kombination mit dem highnoon-Stimmung erzeugenden Soundtrack wird so dem Einmaleins der Kriegspropaganda verpflichtet eine Atmosphäre erzeugt, in der die irrelevantisierten Traditionsautonomen als Verschwörer für das Gute wohlig zusammenrücken können. Zu jenem durchaus interessanten Kriegsfilm, der für die Hetze auf youtube herhalten muß, besteht fernab jeden Genießens ein auschließlich instrumentelles Verhältnis.

Hätte sich die Riege jener 1.Mai-Mobilmacher auch nur annähernd im Sinne von Erkenntnisinteresse (und damit orientiert an intellektuellem Lustgewinn) auf den Streifen eingelassen, wäre ihnen nämlich die Enteignung jener Filmszenen sicher nicht so leicht gefallen. Denn: Zwar geraten die in der Romanvorlage von Robert Heinlein (1959) deutlich dargestellten faschistischen Züge der Regierung in der Verfilmung zu Gunsten von special effects und popcorn-Spektakel etwas in den Hintergrund; unübersehbar erscheint diese jedoch in Gestapomänteln, parsim tauchen Runen-Symbole auf usw. Den Sieg ermöglicht letztlich eine Superwaffe der Führungsriege (telepathische Kräfte). Es sind Soldaten einer antikommunistischen, faschistoide Züge tragenden Gesellschaft, deren Kampf gegen die „bugs“ – einem Ungeziefer – für die Mobilisierung zum „revolutionären 1. Mai“ in Berlin dient.

Wenn man kein Freund von Büchern ist – geschweige denn von hoher science fiction-Literatur, kann man diesen Film vielleicht bei oberflächlicher Betrachtung als einen profaner Unterhaltung verpflichteten blockbuster „lesen“, in dem die „guten“ Identifikationspersonen gegen für das Unbehagen in der Kultur verantwortliche Heuschrecken kämpfen. Die Kürze von 3.14min eines Probagandavideos reicht hingegen bereits aus, um die fantasielosen seelischen Ruinen jener der Elendslinken angehörigen Kinogänger offen zutage treten zu lassen. Es ist ein Zeugnis zwanghaften Abarbeitens statt Genießens, von ernstzunehmender Kapitalismuskritik ganz zu schweigen. An den eigenen Träumen, unseren negativen Ausdrücken positiv nicht beredtbarer Wünsche von Individuation, wurde hier zu Gunsten der Alltagsreligion Antisemitismus Verrat begangen.
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