Archiv für Mai 2009

Zur Diskussion um den Frankfurter Antifahooliganismus

Angesichts der Frankfurter Zustände kommt man schon ins Grübeln, warum in der bisher geführten Diskussion darum (u.a. hier und hier) das hegemoniale, sich als Subkultur inszenierende Antifakonzept von Ums Ganze im allgemeinen sowie in seiner Regionalvertretung durch die autonome antifa [f] im besonderen weitgehend unkritisiert bleibt. Der sehr richtigen, von der Campusantifa formulierten Aufforderung dass es stattdessen darum gehen sollte, die eigenen Inhalte und Praxen und die der Anderen zur Disposition zu stellen, komme ich daher gerne mit ein paar, vielleicht auch überspitzten Überlegungen nach, die m.E. in der bisherigen Diskussion unterbelichtet sind.

Zunächst mal ist das Konzept der autonomen Antifa seit jeher eine durchgängig männliche Politikform, die sich entsprechend über männliche codes definiert und diese auch einfordert. Orientiert wird sich nicht am schwachen, zerbrechlichen, zweifelnden – sondern an Konsequenz, Zielstrebigkeit und körperlicher Stärke. Dass dieses Erlebniskonzept auch dem Charakter nach potentiell faschistische Individuen, die Gewalt als positiven Bestandteil in ihre Identität integriert haben, Kapitalismuskritik als Sündenbocktheorie praktizieren und gegenüber Selbstkritik verschlossen sind anzieht wie das Licht die Motten, wundert wenig. Zumindest in Frankfurt muß diesbez. von einer regelrechten Lifestylesynthese aus Fussballhools und autonomer Antifa gesprochen werden. Selbst ein wie einst in der Autonomen zumindest sporadisch vorhanden gewesener, reflexiver Umgang mit der Ausübung von Militanz als einem notwendigen Übel, bleibt aus. Stattdessen läßt sich seit einigen Jahren in dieser Szene die besorgniserregende Tendenz wahrnehmen, dass Freiheit zunehmend im Aufgehen in der auf einen gemeinsamen Feind (Bullen, Nazis, verfeindete Fußballfans) ausgerichteten Masse gesucht wird, denn in individuellem Handeln. An dieser Abwendung von der Reflexion hängen Latenzen dran, die zweifelsfrei einen Angriff auf ein möglichst schönes Leben darstellen: Homophobie, Behindertenfeindlichkeit, Sexismus, Antiintellektualismus usw., bis hin zu physischer Gewaltausübung.
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Wenn schon trash dann richtig

Es ist bitter mit ansehen zu müssen, wie ein schickes Format nach dem anderen als remake geschrottet wird. Star Wars war zwar schon immer scheisse, aber die systematische zu Grunde Richtung erst von 007 und jetzt auch noch von Star Trek ist nicht OK. Ich ziehe mich daher unter vorläufiger Verbitterung in das Dasein eines Dandys zurück und finde nur noch richtigen trash gut – vorläufig jedenfalls. Als Alternative zum aktuellen hype und um die Spaltung der Trekkieszene weiter voran zu treiben, propagiere ich erstmal den neuesten Monsterfilm gegen die Klimakatastrophe.

Star Trek

Das erste Mal in verhaltener Vorfreude gelacht hat das Kinopublikum, als der Captain auf der Brücke Chekov nach seinem Namen fragt. Dieser stellt sich mit vollem Namen, Pavel Andreievich Chekov vor, der Captain wiederholt mit überheblicher Nachsichtigkeit wie gegenüber einem lallenden Kleinkind den Namen mehr schlecht als recht weil ist ja auch egal – alles Russe oder was. Richtig losgeprustet wurde dann in einer Szene, wo Chekov mit der Bedienung des Bordcomputers nicht zurecht kommt. Das war nämlich so: Es herrscht grade eine angespannte Atmosphäre auf der Brücke, die meisten Offiziere sind wie schon bei Starship Troopers alle frisch von der Akademie und müssen sich nun beim Jungfernflug der Enterprise erstmalig beweisen. Sulu hat es bereits verpatzt weil er vergessen hat vor dem Gehen auf Warpgeschwindigkeit die Handbremse zu lösen und nun kommt auch Chekov ins schwitzen. Denn weil Chekov einen starken russischen Akzent spricht (bzw.: Noch nicht so gut englisch kann…) versteht der Computer seine Sprachbefehle nicht. Chekov muß sich sichtlich einen abbrechen, die bedrohlich im Raum stehende Missbilligung durch seine Vorgesetzten setzt ihn unter Stress. Die Lacher des sich mit der Autorität identifizierenden Publikums, triefen entsprechend vor Schadenfreude. Beim verlassen des Kinos habe ich ein Résumé über den Film aufgeschnappt, das diese Beobachtung bestätigt: „Am besten fand ich die Szene, wo der Russe den Code nicht eingeben kann“ [dümmliche Lache]. Das womit der Film dem Kinoganger in bester Erinnerung bleiben wird, ist die Ermöglichung des rassistischen Ausbruchs – der Rest ist Effektspektakel.

Vielleicht sollen diese Gags auch ein Zugeständnis an die Trekkieszene sein, wo das Feindbild Ostblockklingone ja mittlerweile weitestgehend der Vergangenheit angehört. Ich kann jedenfalls nur hoffen dass die Trekkies nach der ersten Euphorie das remake dann doch mit der angebrachten Verachtung strafen, da es ausser billigen Randgruppenwitzen offensichtlich nichts gewonnen hat. Die Serie ist halt mittels Zeitmaschine (*gähn…*) fit fürs 21.Jhd. gemacht worden was v.a. bedeutet, dass unter dem ganzen Effektspektakel der immer schon mies gewesene Humor auf billigsten Rassismus zusammengekürzt wird. Denn selbst das ist nicht neu, sondern wurde schon von den neuen Star Wars Teilen vorgemacht. Der running gag der Randgruppe R2D2/23PO, ein Konzept dass bereits im Orientzyklus der Karl-May-Filme als Engländerwitze genervt hat, wurde selbst für Freunde dieses Humors mit der Zeit zu öde. Daher entschied man, die Lieblingsdroiden schlicht als Helden zu inszenieren um niemanden zu verärgern. Lustig macht man sich stattdessen lieber über die als „Unterrasse“ dargestellten Jar Jar Binks, ein Kompromiss mit dem alle Leben können. Vielleicht war ja auch dies letztlich ein Zugeständnis an eingefleischte Fans, man denke nur an die Riefenstahlästhetik aus der Endsequenz von Teil IV.

…Wie auch immer, soweit mein erster Eindruck, weswegen ich mir einen zweiten wohl auch nicht zumuten werde. Weniger Gepöbel zu dem Streifen gibt es hier, hier, hier.