„Unipräsident Müller-Esterl lügt öffentlich!“

Für die Unverfrorenheit des Unipräsidenten Werner Müller-Esterl haben die sich im Streik befindlichen Studierenden der Uni Frankfurt nur Verachtung übrig:

„Wir lehnen derzeit eine offizielle Diskussion mit dem Präsidenten ab. Er hat seine Funktion als Ansprechpartner der Studierenden verwirkt und mit der gewaltsamen Räumung und der öffentlichen Lüge über den Polizeieinsatz und das Ausmaß der Sachschäden jede Gesprächgrundlage zerstört. Angesichts der derzeitigen Äußerung des Präsidenten erscheint vielmehr sein Rücktritt angemessen. Unser Versuch, eine Diskussionsgrundlage für alle zu schaffen, ist am Mittwoch durch ihn torpediert worden. Er hat den Diskurs mit Polizeigewalt abgebrochen und mit seiner Praxis universitäre und gesellschaftliche Standards autoritär unterschritten. Sein kompromissbereites Auftreten soll über seinen kompromisslosen Konfrontationskurs hinwegtäuschen. Sollte er es ernst meinen, ist einzig die Rücknahme aller Strafanzeigen ein erster Schritt für einen Dialog. Wir bedauern diese Situation, können aber die Ereignisse der letzten Tage weder politisch noch persönlich ignorieren.“

Allem Anschein nach scheint die zur Legitimation der Räumung des Casino-Gebäudes am IG-Farben-Campus behauptete Beschädigung von Kunst tatsächlich der Unwahrheit zu entsprechen. Die seitens der Unileitung auf flickr hochgeladenen Fotos dokumentieren zwar penibel jeden Farbkleks im Gebäude, doch das bekannte Wandgemälde des Beckmann-Schülers Georg Heck, dessen Kunst im NS als „entartet“ stigmatisiert wurde, findet sich nicht darunter. Solch eine Geschichtsunbewußtheit hätte auch sehr verwundert, richtete sich die Denunziation doch ausgerechnet gegen jene Studierenden, die nur wenige Stunden vor der Stürmung des Unigebäudes durch die Polizei eine öffentliche Umbenennung der Universität in Norbert-Wollheim-Universität vorgenommen hatten, um damit an die Opfer des von der IG-Farben betriebenen Konzentrationslagers Buna/Monowitz zu erinnern. Die Information, dass es sich bei dem Vorwurf der Kunstbeschädigung um eine Ente handelt, hat sich mittlerweile auch bei Teilen der Presse herumgesprochen:

„Inzwischen steht allerdings fest, dass entgegen ersten Berichten das berühmte Wandgemälde von Georg Heck nicht in Mitleidenschaft gezogen und auch sonst keine bleibenden Schäden an Kunstwerken festgestellt worden sind.“ (link)

Müller-Esterl selbst hat es bisher nicht für nötig gehalten, seine Falschaussage öffentlich zu widerrufen. Auch den unverhältnismässig gewaltsamen Polizeieinsatz streitet der Unipräsident weiter ab, bzw. stuft das Verhalten der Polizei – wohl nicht ohne ein Quantum Häme – als „fair und professionell“ ein. Die diversen Brüche, Platzwunden am Kopf, Prellungen und dgl. mehr, welche die Studierenden an diesem Abend nachweislich zu erleiden hatten, sind demnach offenbar auf Autoaggression zurück zu führen. Mit der Selbstinszenierung als Diktator einer Bananenrepublik, in der bei inneren Konflikten zuallerst die Exekutive auf die Studierenden losgelassen wird, um dann in einem zweiten Schritt die Öffentlichkeit darüber in Unkenntnis zu lassen oder gar zu belügen, hat sich Müller-Esterl in seinem Amt als Präsident der Universität-Frankfurt selbst disqualifiziert.

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Nachtrag: Am 7. Dezember gab es bei Kulturzeit auf 3SAT einen halbwegs seriösen Video-Beitrag, der auch die Falschinformation über angeblich stattgefundenen Beschädigungen an Kunstwerken widerlegt.