Behauptungen des Frankfurter Unipräsidiums bzgl. ang. stattgefundener Kunstbeschädigung durch Experten widerlegt

Die Versuche des Unipräsidiums an der Lüge festzuhalten, dass während der am 2. Dezember stattgefundenen Besetzung auf dem IG-Farben-Campus Kunstwerke des im NS als entartet stigmatisierten Künstlers Georg Heck beschädigt worden seien, nahmen in den vergangenen Tagen immer abenteuerlichere Züge an. Zu Anfang sollte noch tatsächlich das berühmte Wandgemälde betroffen sein. Als dies augenscheinlich jedoch nicht der Fall war, wurde sich auf die Argumentation verlegt, es ginge um Grafiken des Künstlers, die gerahmt in dem von der Uni als (Offiziers-)“Casino“ bezeichneten Mensagebäude ausgestellt sind. Tatsächlich hatten auch die Rahmen der Werke vereinzelt Farbklekse abbekommen, doch die Werke selbst blieben unversehrt. Dazu Nadia Sergan, Vorsitzende des AStA der Uni Frankfurt:

Es handelt sich bei der Aussage des Präsidenten nicht um einen Irrtum, sondern um eine bewusste Lüge, um die Studierenden als „rechtslastig“ und „vandalistisch“ einzustufen. […] Es ist bewiesen, dass der Präsident vor Ort war und bewusst gelogen hat. Hingegen gibt es seit dem Umzug auf das IG Farben-Gelände eine anhaltende kritische Auseinandersetzung einiger Studierender mit den Gebäuden. Dies zeigt sich auch in der Umbenennung der Universität in Norbert-Wollheim-Universität während der Besetzung und der strikten Benennung des Campus als IG Farben-Campus und nicht wie von der Hochschulleitung vorgegebenen Bezeichnung als geschichtsloser
Campus Westend.

In der Tat sind die vom Präsidium verlautbarten Aussagen mittlerweile als bewußt verbreitete Falschaussagen entlarvt. Zuletzt wurde versucht diese mit der Behauptung aufrechtzuerhalten, Georg Heck hätte die mit Farbkleksen versehenen Rahmen angeblich selbst ausgewählt und sie seien daher Bestandteil der Werke. Astrid Ludwig von der FR hat, angesichts des sich immer peinlicher ausnehmenden Lügengebäudes, diese Aussage mittels Gegenrecherche auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft:

Klaus-Ludwig Schulz, Vorsitzender des „Kulturkreises Georg Heck“, der die Restaurierung der Werke maßgeblich finanziert hat, verneint, dass es sich bei den Rahmen um Originale handelt. „Die habe ich ausgesucht“, sagt er.

Die hiermit erneut zu Tage getretene Inkompetenz Werner Müller-Esterls, wird seinen undemokratisch erworbenen Präsidentenstuhl um eine tiefe Kerbe wackliger gemacht haben. Bereits unmittelbar am Tag nach der skandalösen Stürmung des Mensagebäudes durch ein polizeiliches Räumungskommando, hatte der an der University of California forschende Gesellschaftswissenschaftler Prof. Dr. Stefan Gandler, die Politik des Unipräsidenten in einem offenen Brief als „falsche und voraussichtlich folgenschwere Positionierung hin zu der Radikalisierung der autoritären Verhältnisse“ an der Universität-Frankfurt kritisiert.


10 Antworten auf “Behauptungen des Frankfurter Unipräsidiums bzgl. ang. stattgefundener Kunstbeschädigung durch Experten widerlegt”


  1. 1 WiWi 11. Dezember 2009 um 22:26 Uhr

    Hier pickt man sich aber wieder nur die Rosinen heraus, also lassen wir den Experten am Besten aussprechen:
    Schulz ist sauer: „Wenn Studenten Werke eines Künstlers beschädigen, der Meisterschüler von Max Beckmann war, dessen Werke von den Nationalsozialisten auf dem Römerberg verbrannt wurden und der Ausstellungsverbot hatte, dann fragt man sich, was die Studenten damit erreichen wollen? Sicher ist, dass sie damit ihren niedrigen Bildungs- und Kulturstand dokumentiert haben“, findet er.

  2. 2 gast 12. Dezember 2009 um 15:23 Uhr

    @wiwi
    Typisches WiWi Vorgehen! Ob Schulz sauer ist hat nichts damit zu tun, dass er die Kunstbeschädigung widerlegt hat. Ausserdem schreibt er hier im Konjunktiv. Aus dem Kontext gerissen lässt sich diese Passage aber noch halbwegs für Hetze und Meinungsmache verwenden, und darum geht es dir schließlich. Arschloch!

  3. 3 gast 12. Dezember 2009 um 15:25 Uhr

    ach ja. und dieses „man sich aber wieder nur“ ist auch typisch für wiwis. schubladendenken hoch zehn

  4. 4 WiWi 12. Dezember 2009 um 18:38 Uhr

    Mir geht es hier nicht um Hetze oder Meinungsmache, letztendlich könnt ihr das eh viel besser!
    Die letzten Tage haben dies ja gezeigt.
    Nur bei all der Stimmungsmache gegen das Präsidium, fehlen mir irgendwie immer die Zitate samt Quellenangabe.
    Ich konnte nämlich bisher noch keine offizielle Aussage finden, die eure Anschuldigungen rechtfertigen. Es wäre also gut, wenn ihr mal ein paar Links posten könntet, damit ich euren Unmut verstehen kann.

  5. 5 Administrator 12. Dezember 2009 um 20:53 Uhr

    Dieses blog versteht sich erstens als unabhängig und zweitens als parteilich. Inwiefern hier Hetze betrieben würde, ist mir ebenso unklar, wie ich auch nicht weiß, welchem Kollektiv du mich mit „ihr“ unterordnest.

    Die aktuelle Zielsetzung dieses blogs besteht darin, Gegenöffentlichkeit zu betreiben. der Grund dafür ist, dass die Vorgänge der vergangenen zehn Tage an der Uni – vorsichtig ausgedrückt – in den Medien nur sehr einseitig dargestellt wurden und teilweise auch immernoch werden. Verantwortlich dafür ist zu einem nicht geringen Teil die seitens des Präsidiums betriebene Pressearbeit, die ich von Beginn an sehr genau verfolgt habe. Im Kern besteht die Methode des Präsidiums darin, sich die Realität so zurecht zu erfinden, wie es ihr bei der Verfolgung der eigenen Ziele innerhalb der sozialen Auseinandersetzungen bzgl. der Umstrukturierungen des Bildungswesens, am zweckdienlichsten ist. Ebenfalls dafür verantwortlich sind aber auch große Teile der Öffentlichkeit, die sich von solcherart Billigpropaganda bereitwillig dumm machen lassen. Offenbar entspricht der aussengeleiteten Uni auch ein aussengeleiteter Charakter.

    Die Lügen bzgl. Kunstbeschädigung und friedlicher Polizeieinsatz waren lange Zeit auf der Uni-homepage einsehbar. Erstere Lüge hat Müller-Esterl auch mündlich unmittelbar vor der Räumung, im Casino ausgesprochen – vor rund 150 Zeugen also. Mittlerweile hat sich die Strategie der Unileitung dahingehend geändert, dass Gesprächsbereitschaft im Sinne der Hellmann-Resolution signalisiert wird. Die alten Stellungnahmen sind daher nicht mehr einsehbar, jedenfalls habe ich kein Archiv entdecken können, dass weiter zurück reicht als eine Woche. Solcherart Intransparenz zeugt von taktischem Kalkül, statt offener Karten-auf-dem-Tisch-Diskussion. (Wenn Du auf diesem blog Artikel der vergangenen Tage liest wirst Du sehen, dass die hier verbloggten Thesen durchaus halbwegs redlich verlinkt sind.)

    Um bei politischen Themen ernsthaft mitreden zu wollen, ist die Grundbedingung dafür, sich so gut wie möglich darüber zu informieren, bekanntlich unabdingbar. Schön dass du dich entsprechend nach Quellen erkundigst, bzgl. der Präsizitate muß ich dich allerdings wie gesagt ein Stück weit enttäuschen auf der Uni-homepage jedenfalls stehen sie nicht mehr. Es sollte aber auch nicht besonders schwer sein, sich die einschlägigen Pressemitteilungen und öffentlichen Verlautbarungen, etwa das Interview in der FAZ…, halbwegs vollständig zusammen zu googlen, von anderen Recherchewegen ganz zu schweigen.

  6. 6 WiWi 12. Dezember 2009 um 23:57 Uhr

    Kurz Vorweg: „Ihr“ war im Sinne von AStA, Protestplenum und Gefolgschaft gemeint. Ich bin jetzt einfach mal davon ausgegangen, dass ich diesen Blog dazu zählen kann.

    Ich werde mal schauen was sich finden lässt, nur auf vielen Nachrichtenseiten war halt immer nur von „Berichten zufolge“ die Rede und nie ein Zitat zu finden.
    Die 150 Zeugen nehme ich dir allerdings nicht ganz ab, da laut Aussage des AStAs die Räumung nicht im großen Stil angekündigt wurde, sprich der Präsident nur kurz ins Gebäude kam, die Initiatoren informierte und dann wieder weg war.
    Aber wie dem auch sei, konzentriert euch lieber auf das Wesentliche, mit dem Finger auf andere Leute zeigen und „Lügner, Lügner“ rufen, führt zu nichts.
    Am Besten beim nächsten Mal einfach auf die Schmiereiern verzichten, dann wird man nicht kriminalisiert und es müssen keine Gelder für die Renovierung verschwendet werden, die man besser in die Bildung hätte stecken können. Gehör kann man sich auch ohne die „Bemalung“ von Bildungseinrichtungen verschaffen.

  7. 7 Administrator 13. Dezember 2009 um 14:44 Uhr

    „Die 150 Zeugen nehme ich dir allerdings nicht ganz ab, da laut Aussage des AStAs die Räumung nicht im großen Stil angekündigt wurde, sprich der Präsident nur kurz ins Gebäude kam, die Initiatoren informierte und dann wieder weg war.“
    -vielleicht erscheint dir ja das verlaufsprotokoll von frank nonnemacher glaubwürdiger.

    „konzentriert euch lieber auf das Wesentliche“
    -wird jetzt auch getan, nachdem die lügenkampagne halbwegs abgewehrt wurde. sich dazu nicht verhalten, ging nicht.

    „‚Lügner, Lügner‘ rufen, führt zu nichts.“
    -abgesehen davon, dass du das hier in einer tour betreibst, indem du einem ominösen kollektiv hetze, verbreitung von unwahrheiten usw. unterstellst: ob es wirklich nichts bringt, sich gegen die lügenpropaganda des präsidiums zu wehren, wird sich noch zeigen.

    „Gehör kann man sich auch ohne die „Bemalung“ von Bildungseinrichtungen verschaffen.“
    -dummes geschwätz! 2006 hat das gegenteil gezeigt, von anderen sozialen kämpfen garnicht erst zu reden. bemalung hat zu dem ergebnis geführt, dass vor wenigen tagen über bildungspolitik breit im hessischen landtag debattiert wurde. die autobahnbesetzungen 2006 haben sogar eine bundesweite debatte losgetreten. wenn sowas nicht in deinen ordnungssinn passt heisst das noch lange nicht, dass es funktionable alternativen gäbe.

    „Am Besten beim nächsten Mal einfach auf die Schmiereiern verzichten, dann wird man nicht kriminalisiert“
    -ich wußte es gleich, du bist ein antidemokrat durch und durch – dein denken in kollektiven schlägt in die forderung nach gesinnungsgesetzen um. auch wenn die schuld bei niemandem bewiesen ist, es klar ist dass nur eine minderheit parolen geschrieben haben kann weil sonst das casino wie ein hundertwassergebäude ausgesehen hätte, kriminalisiert gehören alle, denn jeder hätte ja theoretisch deiner meinung nach. und auch wenn es auf dem campus geschah, die freiheit von forschung und lehre endet bei der politischen parole. am besten bei der nächsten vv gleich alle im voraus vom campus weg verhaften, straftaten begehen sie eh… für mich erübrigt sich damit jede weitere diskussion mit dir. du bist ein weiteres trauriges beispiel dafür, dass die aussengeleitete uni aussengeleitete charaktere hofiert und hervorbringt – potentiell faschistische individuen. tob dich doch in den einschlägigen wiwi-foren aus, wärst nicht der erste der im affektspam seinen vernichtungsphantasien gegenüber linken proteststudis freien lauf lässt.

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