Zur antizionistischen Demo in Ffm., 3. Jan.

Hier ein paar Impressionen vom Auftakt der Demonstration „Schluss mit der Aggression Israels“, heute in Frankfurt. Organisiert wurde die Demo von der palästinensischen Gemeinde Frankfurt, außerdem zur Teilnahme aufgerufen hat u.a. der antizionistische Pfaffe Stoodt. Beim Auftakt waren locker 2000 – 3000 Teilnehmer zugegen, später soll die Demo nach Angaben der Bullen auf 10000 angewachsen sein. Die Demo hatte offenbar einiges an Auflagen, wie folgendes Video veranschaulicht:

Die mit Abstand meistgerufene Parole war „Kindermörder Israel“ – ein Meer aus Palifahnen, -tüchern, Fotos von blutüberströmten Kindern und Kinder die solche Fotos trugen, bestimmten das Bild auf dem Kaisersack am Hauptbahnhof. Insgesamt war die Veranstaltung eine Manifestation antisemitischer antizionistischer Kriegspropaganda, moralisch anklagend, aggressiv und kämpferisch. Das Panorama schien mir erschreckend homogen, nach Kritik an der Hamas habe ich vergeblich gesucht. Die Grundmessage läßt sich in etwa wie folgt zusammenfassen: Mit der Behauptung eines „Vernichtungskrieges“ u.ä. gegen das palästinensische Volk wird Israel implizit bis nahezu explizit in die Nähe der Nazis gerückt, der Terror der Hamas als Verteidigungskrieg begriffen. Im Zuge dieser Täter-Opfer-Verkehrung wird Israel eine bewusst praktizierte, verschwörerisch die internationale Politik manipulierende Täter-Opfer-Verkehrung vorgeworfen, um auf diese Weise das unterstellte Ziel einer „ethnischen Säuberung“ zu verschleiern. Wenig überraschend wurde in diesem Zuge vielfach diese „Kritik“ an die deutsche Bundesregierung, insbesondere an Angela Merkel gerichtet. Das breit verteilte Flugblatt der „palästinensischen Gemeinde Hessen e.V.“, eine einzige Hetzschrift, fasst die Grundargumentation und Stimmung ganz gut zusammen. Auszüge:

„Wir wollen nicht schweigen, wenn Menschen geschlachtet und aus Opfern Täter gemacht werden. […] Seit drei Jahren stranguliert der Staat Israel den Gaza-Streifen entgegen allen Konventionen und Regeln des Völkerrechts […]. Israel hat mit seinen inhumanen Maßnahmen und seiner politischen Vorgehensweise das Leiden der Menschen in Palästina und besonders in Gaza bewusst verursacht. Aus dieser Not heraus versucht die Bevölkerung Gazas sich zur wehr zur setzen, damit die Welt aufwacht und nicht tatenlos zuschaut, wie Menschen im 21. Jhd. strategisch ausgehungert und vernichtet werden! Die Notwehr wiederum dreht Israel weltpolitisch so, dass es nun offiziell einen Angriffskrieg auf die zivile Bevölkerung hat und als Opfer statt Täter darsteht.“

Ein „linker Block“ war, wenn auch marginal, ebenfalls vertreten. Einige Volldeppen von „DIE LINKE Kreisverband Frankfurt“ und ihr hochschulpolitischer Ableger „dielinke.SDS“ waren sich nicht zu schade, in ihrem Flugblatt u.a. die „Freilassung aller politischen Gefangenen!“ zu fordern. Ein Bekannter von mir, der die Demo ebenfalls kritisch beobachtet hat, wurde von einer namhaften Frankfurter Antiimp-Israelhasserin als ‚Spitzel‘ enttarnt und bedroht: „Was machst Du hier im linken Block? Ich kenne Dein Gesicht, Du hast hier nichts zu suchen. Verschwinde besser, oder ich sag meinen Leuten bescheid. Die Leute sind aggressiv…“ Das war dann auch der Grund warum ich es mir erspart habe, später noch mal bei der Abschlusskundgebung vorbei zu schauen.

Scheint einer der größten antisemitischen Aufmärsche der letzten Jahre in Hessen gewesen zu sein. Siehe dazu auch die Fotostrecke bei hr-online.

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„Stoppt den Vernichtungskrieg in Palästina“


22 Antworten auf “Zur antizionistischen Demo in Ffm., 3. Jan.”


  1. 1 kuchen 03. Januar 2009 um 22:45 Uhr

    Irgendwie ist das ziemlich…eklig.

  2. 2 Barry 04. Januar 2009 um 5:20 Uhr

    Kann kuchen nur zustimmen.
    Da kiregt man ja ne Gänsehaut…

  3. 3 berlinerbutze 04. Januar 2009 um 16:34 Uhr

    „Kann kuchen nur zustimmen.
    Da kiregt man ja ne Gänsehaut… “
    Diese Demonstrationen sind kein Zuckerschlecken…

    Deutlich amüsanter finde ich den Lautwagensprecher-Typen der ersteinmal eine Liste von Auflagen runterratert:
    Man möge doch keine Fahnen von terroristischen Vereinigungen schwenken, Bilder von Führerfiguren darbieten , außerdem sei das tragen von (Spielzeug)-Waffen heute hier unerwünscht sowie das verbrennen von der Fahnen, anderer Staaten…wir wollen doch hier keine häßlichen Bilder produzieren?

  4. 4 Administrator 04. Januar 2009 um 17:47 Uhr

    Das sehe ich ähnlich. Die Demo hat auf mich den Eindruck gemacht, als wenn ohne die Aufgrund der Lautidurchsage vermuteten Auflagen der Bullen (und/oder medienpolitischem Kalkül), das Bild sicherlich ein anderes gewesen wäre.

    Mir schien die Demo in einigen Blöcken ziemlich durchzentralisiert. Viele identische Transpis, eine ganze Kette von Kindern, die dasselbe Foto über dem Kopf halten. Ausserdem waren bestimmt 50 Ordner unterwegs die alle peinlichst genau darauf achteten, dass alles ordentlich bleibt. Ob das nun aufgrund einer möglicherweise befürchteten Auflösung der Demo bei Auflagenverstössen zurückzuführen ist, oder auf strategisches Kalkül im Umgang mit den Medien, sei dahin gestellt. Der Aufruf der „Palästinensischen Gemeinde in Hessen e.V.“ jedenfalls, spricht eine nur allzu deutliche Sprache. Die inhaltliche Homogenität der Parolen auf Transpis, Plakaten und in Sprechchören haben dem ganzen den Charakter einer Kriegspropagandaveranstaltung gegeben, vor allem auch deswegen, weil die gesamte Grundmessage auf so groteske Weise an der Realität vorbei geht. Seit Tagen gehen Kassams auf Sderot nieder, und eine beliebte Demoparole war: „Israel ist feige, Bomben gegen Steine!“ Dazu dann noch die weitgehend allgemein durch Aufruf und Plakate vertretene Meinung, Israel verfolge das Ziel eines „Vernichtungskrieges“, und verschleiere diese teuflische Absicht durch seine imaginierte Macht in der internationalen Politik, den Medien usw. Solcherart einstimmigen Fanatismus hatte ich nicht erwartet.

  5. 5 Benjamin 04. Januar 2009 um 17:51 Uhr

    selbiges fand in berlin statt:
    http://www.benjamin-krueger.net/?p=336

  6. 6 neocommunistinnen 05. Januar 2009 um 19:49 Uhr

    Bei deiner Aufzählung der unterstützenden linken Gruppen, hast du die Aktivisten von Zusammen ev., der Antifa Affect und der jugendantifa Nord West vergessen. Die Zus. ev. Leute trugen ein circa 4 Meter grosses Transpi (Freiheit für Palestina plus Hoch die Int. Sol.) dazu eine Antifafahne. Selbige haben auch beobachtende „Antideutsche aus nächster Nähe abfotografiert. Was sie wohl mit den Photos anfangen wollen, frag ich mich?
    Denunziation auf Indymedia wegen bösartigem Rumstehen in kriegstreiberischer Absicht oder was?

    Deppen die!

  7. 7 kaputt 05. Januar 2009 um 20:51 Uhr

    „Zusammen ev., der Antifa Affect und der jugendantifa Nord West“
    Ich dachte, dass wäre ein und dieselbe Gang?
    Da blickt man ja gar nicht mehr durch…

  8. 8 neocommunistinnen 05. Januar 2009 um 22:26 Uhr

    Das stimmt nicht ganz. Zusammen ev. hat circa 60 Mitglieder. Ein harter Kern ist alls „kritische bildung“. „Schurken ohne Staat“ oder Junge Welt Leserkreis in Erscheinug getreten. Das sind die hardcore Antiims himself. Der Rest des Vereins macht mehr oder weniger vernünftige Sozialarbeit (Hausaufgabenhilfe, Arbeitlosenini, etc.). Diese Leute darf mensch nicht einfach alle in eine Ecke stellen. Viele von denen sind einfach unpolitisch.
    Die Antifa Affect und die Jugenantifa Nord-West sind mit den Hardcore Leuten von „kritische Bildung“ assoziirt. Ich verrat hier auch nicht zuviel, die personellen Connections sind alle auf deren Sites einzusehen.
    Die Leute sind einfach endfertig, ich hab echt noch NIE solche Fanatiker erlebt.
    Lies dir einfach mal deren Sites durch, dann weisst du was Phase ist!

  9. 9 Mac 08. Januar 2009 um 4:29 Uhr

    Auf der Seite von Orient-Brücke e.V. finden sich zahlreiche Fotos und Filme von dieser Demonstration. Auf dieser Seite wird auch zu einer Gegendemonstration gegen die proisraelische Demonstration am Sonntag mobilisiert, ein Schreiber fordert auf, Schlagstöcke mitzubringen.

  10. 10 Erika Badu 08. Januar 2009 um 10:16 Uhr

    Dann ist klar, was kommt: Antideutsche werden verprügelt und schreiben dann überall im Internet, dass sie OPfer antisemitischer Mörderbanden geworden sind.

  11. 11 kuchen 08. Januar 2009 um 15:41 Uhr

    „Dann ist klar, was kommt: Antideutsche werden verprügelt und schreiben dann überall im Internet, dass sie OPfer antisemitischer Mörderbanden geworden sind.“
    Und was genau ist daran falsch, wenn ein antisemitischer Mob mit Schlagstöcken auf als antideutsch identifizierte Personen eindrischt?

  12. 12 Administrator 08. Januar 2009 um 18:34 Uhr

    Grundsätzlich scheint Erika nicht verstanden zu haben, dass der ideelle Hamas-Frankfurt-Mob nicht auf Menschen einprügeln würde bzw. wird wenn sie der Vertretung vermeintlich „antideutscher“ Meinungen überführt, sondern wenn sie als Juden identifiziert sind. Die Antisemitin „Nadia“, die auf der homepage von „Orientbrücke e.V.“ qua comment Gegenmobilisierung betreibt, unterliegt dieser Projektion wenn sie schreibt: „Diesen Sonntag findet eine Demo von den Juden FÜR Israel statt!“ Erika könnte wissen, dass diese Demonstration sich inhaltlich nicht gegen Deutschland, sondern „gegen den Terrorismus der Hamas und für Israels Recht auf Selbstverteidigung“ aussprechen will. Dafür und weil jeder der sich mit Israel solidarisch erklärt von den ideologischen Frontkämpfern für ein (Juden-)“freies Palästina“ als Jude identifiziert wird, soll die Demo nach Ansicht „fadis“, der in besagtem thread „Nadias“ Antisemitismus Nachdruck verleiht, mit „Schlagstöcken etc.“ angegriffen werden.

    Eine offizielle Gegenmobilisierung allerdings, gibt es meines Wissens nicht. Die Sicherheit, mit der Erika vom Erfolg dieses implizit angekündigten Überfalls ausgeht, scheint mir eher einem Wunschdenken zu entspringen, denn dem ernsthaften Versuch einer Einschätzung der Sicherheitslage am kommenden Sonntag. Auf Fanatiker wie „Nadia“ und „fadi“, werden die Bullen mit ziemlicher Sicherheit vorbereitet sein weshalb zu hoffen ist, dass jeder Versuch eines Überfalls auf die Demonstration bereits im Keim erstickt werden wird.

  13. 13 dawid 09. Januar 2009 um 19:53 Uhr

    der termin für die solidemo ist echt gut gewählt. am gleichen tag findet die ll-demo in berlin statt. da kann man nur hoffen, dass die rödelheimer schön nach berlin fahren um für „Solidarität mit den Völkern Iraks und Palästinas“ zu marschieren und israelsolidarische menschen in frankfurt in ruhe lassen.

  14. 14 Administrator 10. Januar 2009 um 20:17 Uhr

    „Fadis“ Gewaltaufruf ist nun endlich bei orientbrücke gelöscht worden. Der restliche antisemitische, grenzdebile Unsinn von „Als Deutscher schäme ich mich zutiefst…“, über „Wir werden von einer macht und geldgierigen Horde regiert“, bis hin zu „wir muslime sollten generell nicht bei Aldi einkaufen. Denn Aldi spendet immer Samstag den Umsatz an Israel“, ist weiterhin einsehbar. Der thread wurde lediglich hierhin verschoben.

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